1.
Unterbeschäftigung und Überproduktion
Neue Technologien steigern die Produktivität, senken die Kosten und
vergrößern das Angebot an billigen Waren. In der Folge
wachsen die Kaufkraft und die Märkte – auf dieser zentralen
Annahme beruhte bislang die Wirtschaftspolitik der
Industrieländer. Jetzt aber zeigen sich die wahren Folgen dieser Logik: eine
Arbeitslosigkeit ungeheuren Ausmaßes, ein starker Rückgang der Kaufkraft und
eine gefährlich hohe Überproduktion.
2. Die Dritte Industrielle Revolution
Gegenwärtig gibt es auf der ganzen Welt mehr als eine Milliarde Computer.
Wissenschaftler rechnen damit, dass die Denkmaschinen
schon bald intelligent genug sein werden, um ein eigenes Bewusstsein zu
entwickeln und sich selbst zu verbessern. Japanische Firmen haben die
Methode der schlanken Produktion mit Computer- und Informationstechnologien
kombiniert, um die »Fabrik der Zukunft« zu bauen – eine automatisierte
Produktionsanlage mit wenig Arbeitskräften. Die Ausrichtung der schlanken
Produktion auf Prozesse anstatt auf Strukturen und Funktionen bot eine
ideale Grundlage für die Anwendung der neuen Technologien. Die Hierarchien
sind eingeebnet, zunehmend wird direkt auf Bestellung gearbeitet, die Zahl
der »überflüssigen « Angestellten steigt stetig.
3. Die arbeitslose Zukunft
Die technologische Entwicklung bringt uns einer Welt ohne Arbeit ständig
näher. Die neuen Informations- und Robottechnologien verändern die
herkömmliche Landwirtschaft, indem sie überall Menschen durch Maschinen er
setzen. Die neuen Gentechnologien werden noch viel weiter gehende
Veränderungen mit sich bringen, da sie direkt in die Aufzucht von Pflanzen
und Tieren eingreifen. Die chemische Industrie investiert in die
Gewebekulturen- Produktion; ihre Vision ist eine Landwirtschaft ohne Boden.
Auch die Automobilindustrie und die ihr benachbarten Industriezweige stellen
ihre Produktionsabläufe um und bauen dabei immer mehr Arbeitsplätze ab.
Schließlich wird auch der Dienstleistungsbereich der Automation anheimfallen.
4. Der Preis des Fortschritts
Die neue Wirtschaftswelt hat Gewinner, aber auch Verlierer. So ist etwa das
Teamkonzept der schlanken Produktion das Gegenteil einer
menschenfreundlichen Managementpraxis. Für die Beschäftigten bedeutet es
eine raffinierte Form der Ausbeutung. Entscheidend für die Produktivität
sind
heute nicht mehr physische, sondern mentale
Leistungen. Die Wissensarbeiter werden immer wichtiger für die Wirtschaft,
während die beiden bestimmenden Gruppen des industriellen Zeitalters, die
Arbeiter und die Kapitalisten, zunehmend an Bedeutung verlieren.
5. Das postmarktwirtschaftliche Zeitalter
Wenn Millionen Arbeitnehmer immer weniger Zeit für die Erwerbsarbeit
aufwenden müssen und Ungelernte überhaupt keine Beschäftigung in der
globalisierten, automatisierten Hightech-Wirtschaft mehr finden, wird die
Frage der arbeitsfreien Zeit zu einer politischen Frage. Deshalb muss dem
Dritten Sektor mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden: Er ist der Bereich der
sozialen Verantwortlichkeit. Diesen Sektor gilt es zu globalisieren. Überall
auf der Welt wächst die gesellschaftliche Bedeutung der Non-Profit-Organisationen, die Aufgaben übernehmen, die von der Wirtschaft
und vom Staat vernachlässigt werden.