Die Schlagwörter
Wirtschaft und Kunst rufen bei Angehörigen beider Berufsfelder eher
Assoziationen wie Kunstmarkt- und Handel und möglicherweise auch die
finanzielle Förderung der Kunst durch Wirtschaft oder Finanzanlagen der
Wirtschaft in Kunst hervor. So dient Kunst für den Kunsthändler als Produkt,
welches er verkaufen will bzw. für ein Unternehmen zur Prestige- und
Imagesteigerung.
Eine völlig andere
Verbindung stellt das Forschungsprojekt „Wirtschaftskultur durch Kunst“, ein
Gemeinschaftsprojekt der Universität Witten/Herdecke und des
Kunstwissenschaftlichen Instituts des Landes Nordrheinwestfalen unter der
Leitung von Prof. Michael Bockemühl her. Wie der Titel schon anzeigt, werden
Kunst und Wirtschaft nicht im getrennten Sinn voneinander behandelt, sondern
stehen in Beziehung zueinander. Dieser Ansatz überrascht im ersten Moment,
da das wirtschaftliche Arbeiten dem künstlerischen Arbeiten diametral
entgegen zu stehen scheint.
Das Gegenteil
beweist das Kunstkonzept des erfolgreichen Beratungsunternehmens Droege &
Comp., welches jetzt in der Veröffentlichung „Das Wie am Was“ vorliegt und
als Einzelbeitrag in dem oben erwähnten Forschungskontext zu sehen ist.
Darin zeigen der Kunstwissenschaftler Michael Bockemühl und der
Geschäftsführende Partner des Unternehmens Droege & Comp. Thomas K.
Scheffold auf, wie die Beratertätigkeit durch die Beschäftigung mit moderner
Kunst zu neuen Sehweisen und Denkformen gelangt und diese wirtschaftlich als
Entwicklungstreiber wirksam wird. Natürlich drängen sich nun die Fragen auf:
Wie wird dies möglich? Wie sieht das konkret aus?
Möglich wird dies,
weil die Qualität der Kunst darin liegt, sich stetig durch Denk- und
Reflexionsprozesse zu erneuern und dabei ungewöhnliche Wege beschreitet.
Innovative Konzepten und Ideen werden in der Wirtschaft immer, aber momentan
mehr denn je gesucht. Somit zeigen die beiden Welten genau hier ihre
Überschneidung: bei der Suche nach Erneuerung. Wer bereit ist, sich auf
Kunst einzulassen und ihre Regeln und Wege nachzuvollziehen, kann hier auf
eine qualitativ-hochwertige Lehrmeisterin treffen. Das „Wie“ am „Was“ wird
hier bedeutend!
Konkret sieht dies
folgendermaßen aus: Droege und Comp. setzt zur Flankierung einzelner
Projektphasen Werke der Modernen Kunst ein, die die jeweiligen Frage- bzw.
Problemstellung in gleicher Weise verarbeitet und dazu eine bildliche Lösung
gefunden haben. Dabei steht, wie bereits erwähnt, das „Wie“ dieser Bilder im
Vordergrund. Also wurden, in einem konkreten Fall gesprochen, die für das zu
beratende Unternehmen notwendigen „Change Prozesse“ an entsprechenden
Kunstwerken nachvollzogen.
Dabei sollte
„Change“ als Herausforderung begriffen werden, das Alte neu zu sehen. Damit
kann es als Evolution mit revolutionärer Kraft, jedoch ohne Zerstörung
aufgefasst werden. Dazu wurde das Bild Ohne Titel von Günter Umberg
eingesetzt. Der Effekt, den dieses, ganz in schwarz dargestelltes Werk,
auslöst, beschreibt die Wirkungsweise des Konzeptes sehr gut:
Der erste Blick
offenbart ein vollkommen schwarzes Bild, der zweite Blick jedoch mehr. Je
nach Betrachter geht zeigen sich bunte Punkte oder ein Flimmern und auch
etwas ganz anderes, jedenfalls etwas, das beim ersten Hinschauen nicht
sichtbar geworden ist. An diesem Bildwerk wird also deutlich, dass das
vertiefte Wahrnehmen die Grundlage einer jeden konstruktiven Veränderung
wird. Gleiches wird in diesem konkreten Fall an den Schlagworten
„Neubeginn“, „Aktivierung“, „Corporate Identity“ und „Identity als
Führungsaufgabe“ mit entsprechen Kunstwerken vollzogen.
Der gezielte
Umgang mit Kunst bietet also dem Kunden eine zusätzliche Möglichkeit, von
anderer Warte aus auf die zu bewältigenden Probleme zu blicken oder eine
erweitere Übersicht über das noch zu Leistende oder das bereits Geleistete
gewinnen zu können. So werden einzelnen Kunden individuell konzipierte und
passgenau zugeschnittene Workshops in die verschiedenen Beratungsschritte
integriert.
Doch nicht nur für
den Kunden ist der Einsatz von Kunst als bereichernd zu verstehen, sondern
auch für das gesamte Beraterunternehmen. Kunst kann also als Anstoß für die
Eigenentwicklung eingesetzt werden, so wie es Droege & Comp. seit Jahren
tut. So liegt es diesem Unternehmen am Herzen bei seinen Mitarbeitern den
Sinn für Kunst zu wecken – als konkrete Grundlage für die Arbeit mit der
Kunst und für die gemeinsam als Kulturwert erlebte Unternehmenskultur. Dies
erfolgt in regelmäßigen Think-Tank-Events (Besuche von Museen und
Ausstellungen) und der Ausgestaltung der Arbeitsräume mit Kunstwerken, die
die Arbeit der Mitarbeiter durchdringen und bereichern sollen bzw. das
Kunstkonzept von Droege und Comp. verkörpern.
Dieses
außergewöhnliche Selbstverständnis der Beratertätigkeit manifestiert sich
schließlich auch im Unternehmens-Claim: „Beratung ist Umsetzung nach allen
Regeln der Kunst“. Die rational-abgeklärte Wirtschaftwelt kann also den
Status einer Wirtschaftkultur erreichen, die für alle Beteiligten einen
positiven Gewinn abwirft. Die herausragende Stellung des Unternehmens im
internationalen Wettbewerb beweist, dass diese Methodik durchaus erfolgreich
und für Kunden und Berater – unternehmerisch, als auch persönlich -
gleichermaßen nutzbringend ist.
Wer also aufgeschlossen ist, sich durch Kunst bereichern zu
lassen und neue Wege für sein unternehmerisches Handeln zu beschreiten,
bietet das Kunstkonzept von Droege und Comp. eine vollkommen innovative und
erfolgreiche Herangehensweise. Das dazu erschienene optisch übersichtliche
und ästhetisch ansprechende Buch ist strukturell logisch aufgebaut und
bietet den ersten Einstieg. Durch zahlreiche, ausführlich beschriebene
Bildbeispiele wird das Kunstkonzept des Unternehmens auch für den
Kunst-Laien nachvollziehbar. Voraussetzung ist natürlich, sich auf Kunst
einlassen zu wollen.
Steffen Weber