Wenn man all den Berichten der einschlägigen Medien Glauben schenken darf,
ist Deutschland wirtschaftlich bereits erledigt. Überalterung, Verkrustung,
Reformunwilligkeit und -unfähigkeit sind die Schlagworte der aktuellen
Diskussion. Radikale Schritte müssten her und zwar sofort, sonst sei alles
verloren und der bereits begonnene Abstieg nicht mehr aufzuhalten. Wer es
auch nur wagt, hier Zweifel anzumelden, gilt als Ewiggestriger, der die
Zeichen der Zeit nicht erkennt, als unbelehrbarer Sozialromantiker, ja, als
realitätsferner Spinner.
Um
so erstaunlicher ist, dass eine Frontalkritik an den inzwischen bereits als
unantastbare Wahrheiten weithin akzeptierten Lehren, man könnte sagen,
direkt aus dem Herzen der Wirtschaft kommt. So machte Philipp Löpfe seinen
MBA an der Schweizer Elite-Uni St. Gallen und ist Redakteur des renommierten
Schweizer Wirtschaftsmagazins "Cash", Werner Vontobel ist studierter
Volkswirt und ebenfalls Wirtschaftspublizist. Beide entlarven den zur Zeit
vorherrschenden Neoliberalismus (Stichwort "Mehr Markt, weniger Staat") als
das, was er ist: nämlich nichts anderes als eine Ideologie. Und wie jede
Ideologie nützt sie bestimmten gesellschaftlichen Gruppen und schadet
anderen. Dabei geht es am Ende nicht um Naturgesetze, sondern um knallharte
Interessenpolitik. Anhand harter Statistiken zeigen die Autoren, wer die
Nutznießer sind und wer die Verlierer.
Aber das Buch geht darüber hinaus: Es zeigt Auswege, es belegt anhand
erfolgreicher Beispiele, wie eine bessere Wirtschaftspolitik aussehen kann.
Bei all dem geht es nicht um Kapitalismuskritik im eigentlichen Sinne,
sondern vielmehr darum, den Kapitalismus zu retten oder besser, ihn vor sich
selbst zu schützen. Es wird über das eigentliche Ziel der Wirtschaft
gesprochen; ob wir lieber Wachstum wollen oder "ein gutes Leben für alle",
wie es einmal Keynes formulierte. Interessanterweise ist beides nicht
dasselbe, wie selbst der eine oder andere vom Herzinfarkt bedrohte Manager
inzwischen erkennen mag.
Vielleicht ist es einmal an der Zeit innezuhalten und zu überlegen, warum es
trotz all der Reformen der letzten Jahre der Masse der Menschen immer
schneller immer schlechter zu gehen scheint. Liegt es daran, dass wir immer
noch nicht genug reformiert haben oder sind vielleicht die Reformen am Ende
selbst die Ursache? Vielleicht ist es an der Zeit, auch einmal über
Alternativen nachzudenken bevor es zu spät ist?!
Alles in allem: Das richtige Buch zur richtigen Zeit!