Die nach wie vor rasante Entwicklung des
Internet übt Faszination aus und macht gleichzeitig Angst: Faszination ob
der schier unendlich scheinenden neuen Möglichkeiten, Angst von diesen überrannt zu werden.
Gegen die Angst hilft Information. Einen guten und umfassenden Einstiegspunkt dazu bietet dieses
Buch über die inzwischen vielleicht gar nicht mehr so heimliche Revolution,
die sich vor unser aller Augen abspielt.
Dabei setzt es sich das anspruchsvolle Ziel, sowohl
wichtige technische Grundlagen zu vermitteln als auch die gesellschaftlichen
und politischen Implikationen herauszuarbeiten. Da sich "harte" Technik und
"weicher" gesellschaftspolitischer Diskurs selten gut verbunden sehen,
handelt es sich auch um eine Wanderung auf dem Drahtseil, bei der leicht ein Absturz
droht. Um es gleich zu sagen: Seinem hohen Anspruch wird der Autor insgesamt
gerecht, auch wenn das Seil manchmal heftig zu schwanken anfängt. So möchte
man zum Beispiel nicht gleich im Vorwort lesen: "Nein, diese Welt hat aus
Auschwitz nichts gelernt." Mit einem derartig pauschalen und damit falschen,
provozierendem Diktum dürften sich viele Leser gleich zu Anfang abgeschreckt
fühlen, was dem Buch insgesamt nicht gerecht werden würde.
Das Buch ist in vier etwa
gleich gewichtete Abschnitte unterteilt: Im ersten geht es um wissenswerte,
teilweise historische Hintergründe, im zweiten um freie Software (so
genannte "Open Source"-Software). Der dritte und vierte Abschnitt behandelt neue Formen der
Kollaboration im Internet, die so genannten Weblogs und Wikis, wobei die
bekannte Wikipedia nur die Spitze des sprichwörtlichen Eisbergs darstellt.
Alle Phänomene werden fundiert beschrieben, wobei das Buch nur so mit
Beispielen und Internetadressen gespickt ist. Deutlich wird, dass der Autor
weiß, wovon er spricht, da viele der genannten Projekte teilweise von ihm mit
initiiert oder zumindest aktiv mit gestaltet werden.
Trotz einiger radikalerer Ansichten über freie Software (was einem
überbordenden Idealismus des Autoren geschuldet ist) und der einen oder
anderen Überforderung technisch nicht ganz so versierter Leser gilt:
Es gibt zur Zeit im deutschsprachigen Raum keinen
umfassenderen und kompetenteren Einblick in die neuen kollaborativen
Techniken und Tendenzen im Internet.