Der Autor,
dreimaliger Pulitzer-Preis-Gewinner, hat in seinem mittlerweile in der
zweiten Auflage vorliegenden Buch „Die Welt ist flach
– Eine kurze Geschichte des 21. Jahrhunderts“ seine
Erfahrungen als Auslandskorrespondent der New York Times
zu Papier gebracht und nun komplett überarbeitet und
erweitert.
Erfasst hat uns
die Globalisierung schon lange. Trotz protektionistischer Ansätze im
„alten“ Europa kann sich schon heute kein Land und keiner
seiner Bürger den
Einflüssen entziehen, die mit diesem allumfassenden Phänomen einhergehen.
Jahrelange Erfahrungen im Ausland ermutigten den Autor dazu, die dort
kennengelernten Sichtweisen, Gründe und Katalysatoren der Globalisierung für
seine Leser zu Papier zu bringen. Wer etwas darüber erfahren will, warum
unsere Welt heute so ist, wie sie ist, und verstehen will, in welche
Richtung wir uns bewegen, der bekommt mit Friedmans Buch nicht trockene
Theorie, sondern die umfangreichen Erlebnisberichte eines
„Globalisierungs-Praktikers“.
Der Autor reist
dazu weit in die Zeit zurück, zu dem, was er „Globalisierung 1.0“ nennt: Die
Zeit ab 1492, als die Triebfeder der entstehenden globalen Vernetzung noch
diese Länder waren: Spanien, England, Holland, Frankreich
- all jene, die durch
die Kolonialisierung dafür sorgten, dass schon damals die Welt kleiner, oder
mit Friedmans Worten, „flacher“ wurde. Abgelöst wurde diese Phase durch die
Version „Globalisierung 2.0“: Hauptantrieb hierfür war ab dem Beginn des 19.
Jahrhunderts die Unternehmen, oder wie man sie heute nennt „Multi National
Companies“. Für uns heute Alltag, essen bei McDonald's, PCs kaufen bei Dell
oder Autos von Toyota, bereiten diese beispielhaft genannten Unternehmen den
weiteren Weg zur Globalisierung, wie wir sie heute kennen. Zum Beginn des
21. Jahrhunderts setzte nun aber Phase drei ein: „Globalisierung 3.0“ wird
gefüttert von Individuen. Durch die modernen Informations-
und Kommunikationstechnologien (ICT) ist (fast) jeder Erdenbürger in der
Lage, sich das Wissen der Welt anzueignen und seine eigene,
kleine globalisierte Welt zu
schaffen, sich journalistisch einzubringen, Dienstleistungen zu entwickeln
und anzubieten.
Geschmückt wird
das kurzweilig geschriebene Buch mit zahlreichen faszinierenden, lustigen
aber auch skurrilen Beispielen, denen der Autor auf seiner
Globalisierungsreise begegnet ist: Kunden, die in den USA bei McDonald's an
den kleinen Sprechautomaten Ihre Speisen und Getränke
bestellen, kommunizieren nicht etwa mit der netten Dame ein paar Meter
weiter hinter dem Schalter, sondern mit einem 24/7-Call Center im
englischsprachigen Indien. JetBlue, eine bekannte Billigfliegermarke in den
USA, verlagert unter dem Begriff „Home Sourcing“ alle vormals ausgelagerten
Call-Center-Jobs zu fleißigen Hausfrauen, die zwischen Bügeln und Einkaufen
die Flugreservierungen aus aller Welt entgegen nehmen. Gestresste Manager,
welche abends merken, dass sie noch die Präsentation für das Meeting am
nächsten Morgen fertig stellen müssen, schicken die Rohdaten einmal um den
Globus und erhalten dann am nächsten Morgen eine druckfrische
PowerPoint-Präsentation, welche ihr „Personal Assistant“ in Bangalore in der
amerikanischen Nacht fertig gestellt hat. Dies sind nur einige der
kurzweiligen Beispiele, mit denen uns der der Autor seine Sicht der „flachen
Welt“ näherbringt. Leider gibt es auch einige Kritikpunkte, allen voran,
dass sich die Trends in unserer Welt so schnell wieder ändern, dass eben
noch aktuelle Themen schon wieder veraltet sind. Dies ist leider auch in
diesem Buch so, denn z.B. viele im Kapitel 4 (s.u. „Inhalt“) genannten
Gründe und Folgen sind durch das, was viele Unternehmen unter dem Begriff
des „Backsourcing“ (deutsch: Zurückholen vormals
ausgelagerter Leistungen) durchführen, nicht mehr vollständig. Auch wird z.B. auf
die Tendenzen im "alten" Europa, die eigene Nation über das große Ganze zu
stellen, politisch wie wirtschaftlich (Bsp. Endesa und EON oder EADS mit
Airbus) wenig eingegangen, was natürlich auch an der Herkunft des Autors
liegt.
Fazit: Trotz der aus dem europäischen Blickwinkel an manchen
Stellen zu „flachen“ amerikanische Betrachtungsweise unterhält Thomas
Friedman den Globalisierungs-Interessierten auf jeder Seite seines Buches.
Seine bemerkenswerte Fähigkeit, geschichtliche Ereignisse zu einem großen
Globalisierungs-Flickenteppich zu verweben ist beeindruckend und überaus
spannend. Dieses Buch ist jedem Leser zu empfehlen, der einen Blick auf das
„große Ganze“ des Globalisierungsphänomens werfen möchte.
Steffen
Weber