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Exklusiv Interview mit dem Autor von 'Die Bilanz', Dr. Heiner Diefenbach

ephorie.de: Herr Dr. Diefenbach, Ihr Roman "Die Bilanz" ist fast so eine Art Bildungsroman: Der Held Hagen Icks reift durch mehrere Krisen vom trockenen Buchhalter zum dynamischen Jungunternehmer - was ist an Ihrem Buch autobiografisch?

Diefenbach: Meine Intention war es nicht, ein autobiografisches Buch zu schreiben. Gleichwohl habe ich 10 Jahre Berufserfahrung in führenden Finanzfunktionen eingebracht. Dies kommt insbesondere in den Einzelepisoden zum Ausdruck. Die Anwendung der Buchhaltungstricks - positiv ausgedrückt heißt das wohl Financial Engineering - negativ ausgedrückt, wie wir im Fall Enron sehen, handelt es sich dabei um Bilanzmanipulation - sind mir in meinem Berufsleben genauso begegnet wie die Tricks, die man anwenden kann, wenn sich Unternehmen in der Liquiditätskrise befinden. Die an diesen Stellen im Buch beschriebenen Beispiele und Vorgehensweisen geben ein ganz gutes Sittenbild über die Verhältnisse im Wirtschaftsleben ab.

ephorie.de: An einer Stelle schreiben Sie in einem Dialog "Hagen, das ist echt ein cooles Label [...] der Name kommt echt gut. Wow." - Wie sind Sie auf den Namen Hagen Icks gekommen?

Diefenbach: Das ist eine gute Frage. Der Name hat sich entwickelt. In den ersten Entwürfen zum Roman hatte ich in Ermangelung einer guten Idee immer von Mr. X geschrieben. Später wollte ich unbedingt einen typisch deutsch klingenden Namen haben, der einen Hauch von Old-Econmy und Tradition vermittelt. Da gefiel mir Hagen ganz gut, da ich hiermit auch Erinnerungen an die Nibelungensage verbinde. Der Nachname ergab sich ja dann von selbst. Lustigerweise bin ich nach Erscheinen des Buches von ehemaligen Kollegen gefrotzelt worden. Einer meiner früheren Chefs heißt Ian Hickson – ich schwöre aber, an ihn habe ich bei Hagen Icks ganz bestimmt nicht gedacht.

ephorie.de: Was hat es mit dem in Ihrem Buch beschriebenen Kühlschrank mit Internetanschluss auf sich? Was ist hier der tatsächliche Stand der Technik...

Diefenbach: Inspiriert zu dieser "Produktidee" haben mich zwei Dinge. Zum einen die von Bill Gates vor einigen Jahren plastisch geschilderte und auch zum Teil vorgeführte Vision des modernen Hauses, bei dem alles voll automatisch und internetgesteuert funktioniert. Zum anderen haben mich die Minibars in den Hotelzimmern fasziniert, bei denen man sofort nach Verzehr z.B. eines Wassers, dieses direkt am Bildschirm im Zimmerfernsehen auf seiner Online-Hotelrechnung nachlesen kann. Die Kombination aus beidem hat dann den Kühlschrank mit Internetanschluss ergeben, der insbesondere für viel arbeitende Singles den Lebensmitteleinkäufer ersetzen könnte.

ephorie.de: ...und wie sehen Sie die Marktchancen?

Diefenbach: Die Marktchancen für ein solches Produkt sehe ich gerade in Ballungszentren sogar für ganz besonders großartig. Die Frage ist nur, wie werden die Lebensmittel geliefert? Hier wäre meine Lösung, dass die Tüte mit Lebensmitteln nicht vor Ihrer Haustür liegt sondern Sie diese auf Wunsch z. B. bei einer Tankstelle, die 24 Stunden geöffnet hat, abholen können.

ephorie.de: In Ihrem Buch überwiegen letztlich die optimistischen Elemente, was die New Economy anlangt. Was würden Sie heutigen potenziellen Jungunternehmern nach dem Platzen der Blase konkret raten?

Diefenbach: Das so genannte Platzen der Blase am Neuen Markt hat meiner Meinung nach den Effekt, dass Jungunternehmer der New Economy für ihr Geld wieder seriös arbeiten müssen - ein Effekt, den ich im Übrigen als positiv empfinde und sehr begrüße. Der zweite Effekt ist eher nachteilig, weil er dazu führt, dass Jungunternehmern mit sehr guten Ideen der Weg zum Kapitalmarkt deutlich erschwert wird. Die Finanzierung ihrer Ideen ist erheblich schwieriger. Gleichwohl bin ich immer noch voller Optimismus und rate jedem Jungunternehmer, mit Schwung, Dynamik und Engagement seine Ideen voranzutreiben aber insgesamt zu Ende zu denken. Dies bedeutet, eine gute und tragfähige Produktidee mit entsprechend gut organisiertem Vertrieb und realistischer Markteinschätzung zu verbinden. Nicht zuletzt: Die Finanzierung sichern; denn: Cash is happiness.

ephorie.de: Herr Dr. Diefenbach, Sie entwickeln in dem Buch ein recht spannendes neues Bilanzmodell, die sogenannte Mitarbeiterbilanz. Können Sie diese bitte kurz erläutern.

Diefenbach: Die Mitarbeiterbilanz ist die Kernthese und der Hauptausgangspunkt des Buches. Alle Beratungsunternehmen vertreten nach außen immer die These ,"Was unsere Mitarbeiter vermögen, ist unser Vermögen". Als Finanzchef habe ich dem immer entgegengestellt, dass dies nicht in der Bilanz auf der "Aktivseite" erscheint. Schlimmer noch: Der Stuhl auf dem der Mitarbeiter sitzt wird aktiviert, Reparaturkosten sind Investitionen. Der Mitarbeiter selbst ist nur eine Kostenposition. Fortbildungsmaßnahmen werden ebenfalls ausschließlich kostenwirksam verbucht. Wo also ist das Humankapital bilanziert? Das von mir beschriebene Bilanzmodell geht von der These aus, dass erfolgreiche Unternehmen sich in einem ausgeglichenen Zustand befinden zwischen dem was Mitarbeiter ihren Unternehmen geben und dem was das Unternehmen dem Mitarbeiter gewährt. Was heißt das konkret? Mitarbeiter bringen zum einen ihr Engagement, ihr Wissen, ihr Know-how in die Waagschale. Sie erhalten dafür vom Unternehmen Gehalt, Sozialleistungen und insbesondere Freiräume, in denen Sie ihre Arbeit entwickeln können. Befindet sich beides im Gleichgewicht, ist alles bestens und die Firma wird sich hervorragend entwickeln. Wird von den Mitarbeitern mehr eingebracht als ihnen vom Unternehmen zurückgegeben wird, fühlen sich Mitarbeiter auf Dauer mittelfristig ausgebeutet. Sie werden entweder ihren Input minimieren oder wie es so schön heißt, mit den Füßen abstimmen. Aber auch umgekehrtes Verhalten ist denkbar, wonach Firmen ihren Mitarbeitern zuviel Gutes tun. In diesem Fall wird die Firma ausgebeutet und es wird ihr über kurz oder lang wirtschaftlich schlechter gehen. Meine These ist also: Langfristig wird sich immer ein Gleichgewicht einstellen müssen.

ephorie.de: Noch eine Frage an den Finanzexperten - Sie kommen in Ihrem Roman auch auf die US-GAAP zu sprechen. Diese wurden ja jahrelang als die überlegende Bilanzierungsmethode verkauft - müssen wir nach dem Enron-Debakel umdenken?

Diefenbach: Ich glaube nicht, dass wir nach dem Enron-Debakel die Finanzierungsmethode US-GAAP in Frage stellen sollten. Ich hoffe sehr, dies führt zu einer Versachlichung der Diskussion über die einzig wahre Bilanzierungsmethode. Ob HGB, IAS oder US-GAAP, betrügerisches Vorgehen wird man nie verhindern können. Wir werden allerdings meiner Einschätzung nach eine heftigere Diskussion über die Rolle der Wirtschaftsprüfer bekommen. Im Übrigen halte ich die vielen Bilanzierungsmethoden für wenig aktionärsfreundlich, denn sind wir einmal ehrlich, welcher Aktionär kennt schon den Unterschied zwischen den einzelnen Bilanzierungsmethoden und weiß bei den publizierten Zahlen immer exakt, nach welchen Kriterien sie erstellt worden sind. Die Vergleichbarkeit der börsennotierten Gesellschaften untereinander ist damit kaum gegeben.

ephorie.de: Was ist Ihr nächstes Projekt - können wir uns vielleicht auf eine Fortsetzung von "Die Bilanz" freuen?

Diefenbach: Über eine Fortsetzung von "Die Bilanz" habe ich noch nicht nachgedacht, aber das Ende des Buches legt so etwas durchaus nahe. Zurzeit präsentiere ich in Autorenlesungen mit großer Freude das Buch "Die Bilanz" als so genanntes "Gespieltes Buch". Diese Art der Präsentation findet hervorragende Resonanz und ist wie das Buch auch, eine richtig "Gute Laune - Veranstaltung" mit großen Lerneffekten.

ephorie.de: Herr Dr. Diefenbach, wir bedanken uns für das Interview.

Das Interview wurde geführt von Holger von Jouanne-Diedrich

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