Von Geld versteht der Mann etwas: Auf die Bitte nach einem signierten
Exemplar seines Buches reagierte Mandelbrot, der Erfinder der Chaostheorie, auf der Frankfurter Buchmesse
mit der Frage, wieviel man denn bereit sei, zu seinen europäischen Reisekosten
beizusteuern. Was der Mann allerdings über das Risiko der internationalen
Finanzmärkte zu sagen hat, ist nichts weniger als revolutionär.
Eines jedoch
gleich vorne weg: Es handelt sich um kein Buch der Kategorie "Schnell reich
werden an der Börse", ganz im Gegenteil stellt es die Finanzmärkte als nicht
zu zähmende Urgewalten dar. Diese ließen sich nicht mit den bisherigen
Risikomanagement-Werkzeugen beherrschen, welche vereinfacht dargestellt
darauf beruhen, dass sich Kursänderungen im Rahmen einer so genannten
Normalverteilung oder auch Glockenkurve (noch bekannt vom alten
Zehn-Markschein) abspielen sollten.
Nach diesem Modell hätte allerdings der
Crash von 1987 nur mit einer Wahrscheinlichkeit von 1 zu 1050
(einer 1 mit 50 Nullen!) passieren dürfen: Soviel Atome wie die Erde in etwa
hat...also ziemlich unwahrscheinlich bzw. faktisch eigentlich unmöglich.
Eine Indexänderung von 7% sollte sich nur einmal alle 300.000 Jahre
ereignen, tatsächlich gab es im 20. Jahrhundert alleine 48 solcher Tage beim
Dow Jones-Index.
Scheinheilig fragt Mandelbrot: "Aber vielleicht sind unsere
Annahmen ja falsch", um danach auf knapp 450 Seiten, die allerdings durch
viele, teils wunderschöne Fraktal-Grafiken aufgelockert werden, genau dies zu
beweisen und seine Sicht der Dinge darzulegen. Dabei entwickelt er Ansätze,
wie die Finanzmärkte seiner Meinung nach mit Hilfe der Chaostheorie besser zu beschreiben
wären, schränkt allerdings auch gleich ein, dass hier noch viel zu forschen
bleibt.
Alles in
allem ein faszinierendes Buch, welches mit vielen lieb gewordenen Ansichten
über die Finanzmärkte aufräumt und dabei trotz der harten mathematischen
Fundierung immer gut lesbar und verständlich bleibt.