„Ich sehe den DAX
Ende des Jahres bei …“, „Die guten Werte des amerikanischen
Einkaufsmanagerindexes haben zu Gewinnmitnahmen geführt.“ oder „Durch die
ungewohnt klaren Worte des Zentralbankchefs hat die Skepsis der
Marktteilnehmer eher noch zugenommen“. Geradezu penetrant werden wir in
Zeiten globaler Finanzmärkte mit den orakelhaften Kommentaren zur aktuellen
sowie vermeintlich zukünftigen Börsensituation so genannter Experten
malträtiert.
Nicht ungewöhnlich
ist es dabei, dass gute Nachrichten vorgeblich zu steigenden Kursen führen -
oder zu Gewinnmitnahmen, mithin also fallenden Kursen - oder wieder anders….
Eine ganze Industrie lebt davon, aus kompliziert auf- und abwärts
verlaufenden Linien das zukünftige Schicksal unseres Geldes weiszusagen.
Wenn es dann wieder einmal anders kommt, waren es nicht vorherzusehende
„Sonderfaktoren“. Die zu diesen Themen veröffentlichte Literatur ist Legion
und viele so genannte Trader verbringen einen Großteil ihres Lebens damit,
dies alles zu lesen - und leider viel Geld zu verspielen.
Martin Weber vom
Lehrstuhl für Finanzwirtschaft der Universität Mannheim ist nunmehr der
Kragen geplatzt ob dieser täglich von Zeitungen, Zeitschriften,
Internetforen, Spammails, Börsenbriefen und wer weiß noch wo verbreiteten
Propaganda á la „Ich weiß wie die Börse tickt: Gib mir dein Geld und ich
mache dich reich!“. Gemeinsam mit seinem Team ist er mit dem etwas
großspurigen Anspruch angetreten: „Mehr müssen Sie nicht wissen - das aber
unbedingt“, womit er natürlich sein neues Buch meint.
Das Fazit ist
ernüchternd und wohltuend ehrlich zugleich. Vor allen Dingen aber ist es
(leider) wissenschaftlich fundiert. Es lautet: Kein Mensch (wirklich keiner,
auch nicht Warren Buffet!) weiß, wo die Börse in Zukunft steht. Nicht
nächstes Jahr, auch nicht nächsten Monat oder morgen. Selbst heute
Nachmittag kann der Crash des Jahrhunderts ausbrechen - oder eine Hausse,
die alles in den Schatten stellt, was man je gesehen hat. Kurz und knapp: Es
handelt sich um eine reine Zufallsbewegung. Und genauso wenig, wie es hilft,
auf- und abwärts laufende Linien über die Lottozahlen zu ziehen (einige
versuchen ja selbst dies) genauso wenig lässt sich die Zukunft aus den
Charts der Vergangenheit ablesen.
Wenn es denn so
ist, wird der eine oder andere Leser dieser Zeilen schließen, muss ich das
Buch ja nicht mehr lesen, schleunigst meine Aktien verkaufen und zum guten
alten Sparbuch zurückkehren…Falsch, liebe Investoren! Denn ab hier beginnt
die kluge Investmententscheidung erst!
Es geht also nicht
darum, den Markt zu schlagen, indem man rechtzeitig kauft oder verkauft noch
geht es um die Auswahl der besten Aktien - dieses funktioniert alles nicht
ohne zusätzliche hohe Risiken einzugehen. Vielmehr geht es um kluge,
risikoadjustierte und nachhaltige Investments unter Anerkennung der
Tatsache, dass die Kapitalmärkten einer reinen Zufallsbewegung folgen.
Auf den Punkt: Sie lesen in diesem Buch, was Ihnen Ihr
Bankberater nicht zu sagen traut, weil sie ihn dann nicht mehr ernst nehmen
würden und vor allen Dingen, weil er dann nicht mehr so viel an Ihnen
verdienen kann - womit Ihnen in Zukunft dann umso mehr bleibt.