Das ICM schätzt, dass
über 60 Prozent aller Krisen in die letzte Kategorie fallen.
Ein gutes
Krisenmanagement besteht aus mehreren wichtigen Elementen:
Vorbereitung für den Ernstfall
Unternehmen sollten
auf die kurzfristige Installierung eines Krisenmanagementteams
eingerichtet sein. Die potenziellen Mitglieder des Teams sollten testen,
wie sich die Auswirkungen eines Zwischenfalls auf das Unternehmen und die
Mitarbeiter in den Griff bekommen lassen. Das hat Ähnlichkeiten mit den
Sicherheitsinstruktionen im Flugzeug vor dem Start: Wir werden sie
hoffentlich niemals benötigen, aber es wäre leichtsinnig, sie zu
verpassen.
Die Auswahl der
Teammitglieder richtet sich nach der Art des Zwischenfalls, dennoch sollte
(wenigstens) der Chef oder ein führender Manager und ein Vertreter des
Pressebüros (oder jemand, der im Umgang mit der Presse geübt ist)
dazugehören. Alle Anfragen von außen bezüglich der Krise sollten
ausschließlich von diesem Team beantwortet werden. So übernahm im Fall des
Absturzes eines Flugzeugs von British Midland über Großbritannien der
Chairman des Unternehmens, Sir Michael Bishop, die Rolle des Sprechers für
alle Fragen zu dem Unfall.
Schnelles Einschreiten
Ausschlaggebend sind
die ersten Stunden, nachdem die Nachrichten von der Krise erstmals an die
Öffentlichkeit gedrungen sind. Jeder wird sich auf die Informationen
beziehen, die in dieser Zeit bekannt werden. Es gehört zu den
schwierigsten Aufgaben, die Unklarheiten dieser ersten Stunden und Tage
nach dem Ausbruch der Krise zu managen. Die verfügbaren Informationen sind
häufig lückenhaft und widersprüchlich.
Externe Unterstützung
Weil eine Krise häufig
von Beschäftigten des Unternehmens ausgelöst wird, fällt es den
unternehmenseigenen Leuten möglicherweise schwer, die Lage objektiv
einzuschätzen. Hilfe von außen bietet hier einen Ausweg.
Ehrlichkeit
Umfassende und präzise
Informationen sind entscheidend. Eine Politik der Verschleierung schlägt
auf das Unternehmen zurück. Wenn das Unternehmen jedoch eine Kultur der
Geheimniskrämerei pflegt, lässt sich eine solche Politik selbst in den
besten Zeiten nur schwer verwirklichen. Die Informationen sollten nicht
nur der Presse, sondern auch den eigenen Leuten mitgeteilt werden, denn
diese werden auch mit der Außenwelt und den Medien reden.
Langfristige Lösungen
Beschränken Sie sich
nicht auf die Eindämmung der kurzfristigen Schäden. Ein vergiftetes
Produkt macht es unter Umständen notwendig, kurzfristig große
Regalbestände zurückzuziehen, um den Kunden langfristig die Sicherheit zu
geben, dass der Genuss des Produkts ungefährlich ist. Im Fall der
vergifteten Coca-Cola-Dosen in Belgien und Frankreich im Juni 1999 war die
belgische Regierung nicht überzeugt, dass das Getränkeunternehmen rasch
genug reagierte. Andernfalls hätte sie möglicherweise nicht so restriktive
Maßnahmen verhängt.
Historischer Abriss
In den vergangenen
Jahren waren manche Branchen krisenanfälliger als andere. Die
Tabakunternehmen befinden sich gewissermaßen in einer Dauerkrise, seitdem
die medizinischen Beweise gegen sie eine immer klarere Sprache sprechen.
Die Ölkonzerne haben jedes Mal eine Krise am Hals, wenn wieder einmal
einer ihrer Tanker einen schönen Küstenstreifen verunstaltet.
Einer der bislang
schlimmsten Unfälle, der sich 1984 in einer Pestizidfabrik von Union
Carbide im indischen Bhopal ereignete und bei dem Tausende von Menschen
durch austretende giftige Gase umkamen, ließ die Unternehmen weltweit
darüber nachdenken, wie sich Krisen solcher Größenordnung meistern ließen.
Bald darauf zeigte die durch die „Exxon Valdez“ verursachte Ölkatastrophe,
die als eine der am schlechtesten gemanagten Krisen aller Zeiten in die
Annalen einging, wie man es nicht machen sollte.
Es brauchte zwei
Wochen, bis Exxons Chief Executive, Lawrence Rawl, die Unglücksstelle
besuchte und sich zum ersten Mal öffentlich zur Tragödie äußerte. Die
Financial Times schrieb: „Damit brachte Rawl klar zum Ausdruck, welchen
Platz massive Umweltverschmutzung auf seiner Prioritätsliste einnahm,
mochte er noch so sehr beteuern, dass er sich nur deshalb vom Schauplatz
fernhielt, um die Aufräumarbeiten nicht zu behindern.“ Abgesehen vom
Image-Schaden für eines der führenden Ölunternehmen kostete die Krise
Exxon ungefähr 1 Mrd. $ an Aufräumkosten und zusätzliche 3 Mrd. $ an
Strafen und Wiedergutmachungszahlungen, die dem Unternehmen von
kanadischen Gerichten auferlegt wurden. Die Strafen wären sicherlich weit
geringer ausgefallen, hätte sich das Unternehmen unmittelbar nach der
Katastrophe betroffener gezeigt.