Vilfredo
Pareto lebte im 19. Jahrhundert und
war Professor für politische Ökonomie an der Universität von Lausanne. Er
erkannte, dass in vielen Märkten überall auf der Welt ein Großteil der
Aktivitäten auf einen Bruchteil der Akteure entfällt. Dies wurde als das
80/20-Pareto-Prinzip bekannt: 80 Prozent des Geschehens entfallen auf 20
Prozent der Beteiligten.
Pareto selbst war vor
allem daran interessiert, sein Prinzip auf den Reichtum der Nationen
anzuwenden, der sich (damals wie heute) in den Händen einer kleinen
Bevölkerungsminderheit zu konzentrieren pflegte. Er stellte fest, dass die
Einkommensverteilung in den verschiedenen Ländern erstaunlich ähnlich war;
beispielsweise war der Anteil der oberen 20 Prozent der Bevölkerung am
Gesamteinkommen stets mehr oder weniger identisch.
Als ein in Paris
gebürtiger Italiener, der in der Schweiz arbeitete, hatte Pareto Einblick
in verschiedene nationale Einkommensverteilungen. Aus seinen Ergebnissen
schloss er, dass die Verteilung einem Naturgesetz unterliege und
politische Instrumente zur Einkommensumverteilung deshalb nicht
funktionieren könnten. Die einzige Möglichkeit, das Einkommen der Armen zu
erhöhen, bestand seiner Ansicht nach in der Vergrößerung des Kuchens
insgesamt, das heißt der Erhöhung der Produktion (des
Bruttoinlandsprodukts). Diese These vertraten seither viele Politiker.
Mittlerweile ist die
Gültigkeit des Pareto-Gesetzes fraglich geworden. Einkommensverteilungen
ändern sich mit der Zeit, wenn auch nicht in ausreichendem Maß, um jeden
zufrieden zu stellen. Dennoch hat die Idee das Managementdenken zum Thema
Märkte stark geprägt.
Historischer Abriss
Robert Townsends
Variante des Pareto-Prinzips, die er in seinem humorvollen Klassiker „Hoch
lebe die Organisation“ vorstellte, lautete, dass „20 Prozent einer Gruppe
von Verkäufern stets 90 Prozent des Umsatzes machen“ – also nicht eine
80/20-Regel, sondern eine 90/20-Regel. Das Prinzip wurde auf eine Vielzahl
von Märkten angewendet, von der Fischerei (wo 20 Prozent der Fischer 80
Prozent der Fische fangen) über die Werbung (wo 20 Prozent der Werbefirmen
80 Prozent der Kundenreaktion hervorrufen) bis zum Verlagswesen (wo mit 20
Prozent der Bücher 80 Prozent des Gewinns gemacht werden).
Die Boston Consulting
Group behauptet, dass das Prinzip auch bei Fusionen und Übernahmen
Gültigkeit habe: Wenn man von sämtlichen Vorteilen der Fusion profitieren
will, müssen im Anschluss daran viele neue Projekte implementiert werden.
BCG fand heraus, dass 65 Prozent dieser Vorteile über 35 Prozent der
Projekte realisiert werden – eine 65/35-Regel.