ephorie.de - Das Management-Portal

NEU - Service für alle ephorie.de-Nutzer - NEU

amazon-Suchbutton jetzt hinzufügen!

amazon-Suchbutton für Ihre Google-Toolbar: Jetzt hinzufügen!

ephorie.de
Das Management-Portal


Inhalt  Suchen  Newsletter  Gewinnspiel  Über uns


     

 


     

^ Ebene höher ^

Reengineering

Die Idee des Reengineering wurde erstmals von Michael Hammer, einem Informatikprofessor am MIT, im Rahmen eines Artikels in der Harvard Business Review von Juli/August 1990 vorgestellt. Es handelte sich um einen neuen Ansatz zur Unternehmensveränderung, der von seinen Erfindern beschrieben wurde als „ein grundsätzliches Umdenken und die radikale Umgestaltung von Geschäftsprozessen, um deutliche Verbesserungen bei wichtigen Leistungsindikatoren wie Kosten, Qualität, Service und Geschwindigkeit zu erzielen“.

Die Technik bestand darin, die zentralen Prozesse eines Unternehmens zu analysieren und auf effizientere Weise und ohne Rücksicht auf althergebrachte (und häufig irrelevante) Funktionsgrenzen neu zusammenzufügen. Die Funktionseinheiten beispielsweise wachten häufig argwöhnisch über ihre Informationen und ihre Position im Unternehmensgefüge. Das war bestenfalls ineffizient. Indem diese Einheiten in ihre einzelnen Prozesse zerlegt und in einer weniger vertikalen Form neu zusammengesetzt wurden, zeigte sich, wo die Unternehmen überschüssiges „Fett“ angesetzt hatten und eine Verschlankung gebrauchen konnten.

Diese Methode wird häufig mit der Bezeichnung Business Process Reengineering (BPR) umschrieben. Doch ihre Erfinder Michael Hammer und James Champy wollten noch mehr. Sie vertraten die These, dass sich die Bedeutung des Reengineering nicht auf Prozesse beschränkt. Es beziehe sich vielmehr auf alle Teile einer Organisation und verfolge ein idealistisches Ziel. „Ich denke, dass dies Engelswerk ist“, sagte Hammer in einem seiner hochfliegenden Momente. „In einer Welt, in der es so vielen Menschen an so vielem fehlt, ist es eine Sünde, so ineffizient zu sein.“

Für viele Kommentatoren jedoch bedeutete das Reengineering eine Rückkehr zu den mechanistischen Ideen Frederick Taylors. Andere sahen darin den Versuch einer intellektuellen Rechtfertigung des Downsizing, eines Verschlankungsprozesses, zu dem sich viele Unternehmen auf Grund der Entwicklungen in der Informationstechnologie gezwungen sahen.

Zu den Schwachpunkten der Idee gehörte, wie die Erfinder selbst einräumten, dass die Manager nur allzu gern anderen ein Reengineering verordneten, solange sie selbst ungeschoren blieben. Champys Nachfolgebuch trug nicht umsonst den Titel Reengineering im Management. „Wenn die Manager ihre eigenen Jobs und ihre eigene Arbeitsweise unverändert lassen, unterminieren sie am Ende die Struktur ihrer umgestalteten Unternehmen“, schrieb er in weiser Voraussicht bereits 1994.

Historischer Abriss

Die Idee des Reengineering wurde Anfang der 90er Jahre von Michael Hammer und James Champy, dem Chef der Managementberatung CSC, entwickelt. Sie durchlief den klassischen Weg so vieler populärer Managementideen: von den Forschungen eines Universitätsakademikers über das Marketing einer Managementberatung und ein Bestsellerbuch bis zum kurzfristigen Status eines Allheilmittels für jegliche Unternehmenskrankheiten. Dazu taugte Reengineering allerdings ebenso wenig wie irgendein anderes Managementrezept. Seine Popularität resultierte zum Teil aus der guten Zitierbarkeit der Buchautoren (das gilt vor allem für die Ausführungen Hammers).

Der Ansatz wurde von einer Reihe bekannter Unternehmen mit beträchtlichem Erfolg implementiert. Der Postkartenhersteller Hallmark beispielsweise unterzog seinen gesamten neue Produkte betreffenden Prozess einem Reengineering; und Kodak gelang es, mit der Anwendung dieses Verfahrens innerhalb des Herstellungsprozesses für Schwarzweißfilme die Reaktionszeiten auf Neubestellungen zu halbieren.

Seit Mitte der 90er Jahre jedoch wurden mit dem Begriff Business Process Reengineering vor allem Personalreduzierungen assoziiert, die damit unvermeidlich einherzugehen schienen. Deshalb änderte das Beratungsunternehmen CSC den Namen der Dienstleistung in Business Process Improvement (BPI). BPI erlaubt eine Prozessverbesserung, die nicht notgedrungen zu Entlassungen führen muss.

Die Idee des Reengineering von Unternehmensprozessen hat seit der Entwicklung von ERP einen wahren Boom erlebt. ERP-Systeme ermöglichen es den verschiedenen Bereichen eines Unternehmens, miteinander elektronisch zu kommunizieren. Endlich wusste die linke Hand der Organisationen, was die rechte vorhatte, und die Prozesse, die horizontal durch die verschiedenen Bereiche der Organisation verliefen, konnten von Grund auf neu gestaltet werden.

Noch mehr zum Thema: Hammer, Champy: Business Reengineering (Zusammenfassung)

Zurück zu Hindle: Die 100 wichtigsten Management-Konzepte