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Nachwort zu
Eine Million oder ein Jahr

Offener Brief an die Anwender in den Betrieben
von Autor
Claude Roeltgen

Sie haben eine tolle neue Idee oder möchten, dass Ihre IT-Abteilung eine Lösung für ein bestehendes fachliches Problem findet. Sie gehen in das Gespräch mit Ihren IT-Experten, so wie Sie zum Autohändler gehen, wenn Sie einen neuen Wagen kaufen möchten. Doch dann kehren Sie am Ende frustriert, verärgert und verständnislos an Ihren Schreibtisch zurück, da man Ihnen schon wieder mit „Dies bedeutet 300 Manntage Aufwand und es wird eine Million kosten“ geantwortet hat. Darüber hinaus erzählte man Ihnen sicherlich auch noch viel von Projektrisiken, Sicherheitskonzepten oder Prioritäten. Vielleicht ärgern Sie sich auch darüber, dass Sie keine Argumente fanden, um den Kollegen zu widersprechen. Nun ich habe schlechte Nachrichten, Ihre IT-Abteilung hat Recht: IT ist nicht mit der Automobilindustrie vergleichbar und es führt kein Weg daran vorbei festzustellen, dass ein Loch von der Grösse des Grand Canyon zwischen dem klafft, was Sie als Anwender von Ihrer IT-Abteilung erwarten, und dem was letztere effektiv leisten kann.

IT ist im Jahr 2007 ein Dschungel, Standards kommen und gehen, Neues wird probiert und oft wieder verworfen, das Zusammenspiel aller Komponenten in einer IT-Landschaft ist mit einem Biotop vergleichbar, Sicherheitsfragen sind manchmal eine Quadratur des Kreises und jede Software (jede!) hat Fehler. Kennen Sie Murphys-Softwaregesetz: „Wenn Architekten so bauen würden, wie Programmierer ihre Programme machen, könnte ein einziger Specht ganze Städte zerstören“? In der Tat.

Internationale Studien haben ergeben, dass die Hälfte aller IT-Projekte weltweit scheitert, und daran ist Ihre IT-Abteilung in den allerwenigsten Fällen schuld. Sie sind als Anwender gefordert, bei IT-Projekten eine sehr aktive Rolle zu spielen. Die Einführung einer neuen Software sollten Sie mit dem Bau eines schlüsselfertigen Hauses vergleichen und nicht mit einem Hauskauf (oder gar dem Kauf eines Autos). Sie müssen das Grundstück aussuchen, eine Firma beauftragen, Budgetüberschreitungen einplanen, Sanitär, Fliesen und Tapete aussuchen, den Garten gestalten, Projektverzögerungen vorsehen und vieles mehr. Ich muss Ihnen sicher nicht erklären, wie viel Arbeit und Ärger Sie bei einem solchen Unterfangen bekommen können. Bei einem IT-Projekt sind die zu erledigenden Aufgaben leider noch viel zahlreicher und komplizierter (wie in Kapitel 3 beschrieben) und deshalb dauert auch alles so lange und ist so teuer. Da wir darüber hinaus auch noch mit einer Computerindustrie kämpfen, die ohne Bedenken unreife Produkte auf den Markt wirft (dagegen ist Pfusch am Bau ein Kavaliersdelikt), scheitern eben auch viele Projekte, was bei einem Hausbau doch eher selten ist.

Die Aufgabe der Einführung eines Systems hat aber auch gar nichts mit einem High-Tech Silicon-Valley Forschungslabor zu tun, wie man es in Fernsehberichten bestaunen kann – es ist viel eher geistige Bergwerksarbeit. Permanent müssen neue Stollen gegraben werden, und alte drohen einzustürzen.

So leid es mir tut, aber ich kann an dieser Stelle wenig Hoffnung machen: Es wird auf absehbare Zeit nicht besser werden. Die Computerindustrie ist in ihrer Sturm-und-Drang-Phase und es sind noch keine Anzeichen von Reife zu erkennen. Veränderung ist die einzige Konstante, und dabei nimmt die Geschwindigkeit, mit der Veränderungen kommen, laufend zu. Und wie überall im Leben bringt Veränderung Unruhe und Instabilität. Bis auf weiteres müssen wir alle damit leben, dass der Grand Canyon bestehen bleibt und es weiterhin schwer bleiben wird bei Ihnen, den Anwendern, eine hohe Kundenzufriedenheit zu erzielen. Es bleibt Ihnen (und Ihren IT-Kollegen) nichts anderes übrig als geduldig zu bleiben und gegenseitiges Verständnis aufzubringen.

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Zum Buch Eine Million oder ein Jahr