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Vorwort
Auszug

Peter Drucker: Schlüsseljahre

Stationen meines Lebens

"Aus seiner Kulissenperspektive sieht der Außenseiter vieles, was weder den Schauspielern noch den Zuschauern auffällt."

 

 

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Review
Als Peter F. Drucker 1923, mit 13 Jahren, bei einem Aufmarsch der Wiener Sozialisten die Fahne tragen durfte und, stracks geradeaus getrieben, durch eine tiefe Pfütze musste, wusste er, dass er fortan Nonkonformist bleiben würde. „Adventures of a bystander" nannte er denn auch seine 1979 publizierten Lebenserinnerungen, eine Mischung aus Autobiografie und Porträts von Persönlichkeiten, die sein Leben prägten. Unter dem Titel „Schlüsseljahre" ist das Werk dieses Pioniers der Managementforschung nun auf Deutsch erschienen, und dieser Titel ist nicht weniger treffend: Immerhin hat sich Druckers Lebensweg mit so frappierend vielen Vertretern der Eliten Europas und Nordamerikas gekreuzt, dass er darum kaum als „bystander" im Sinne von „Außenseiter" gelten kann. Mit seinen Porträts etwa von Sigmund Freud, Karl Polanyi, Marshall McLuhan, des Kissinger-Mentors Fritz Krämer, des „Time"-Gründers Henry Luce oder des legendären General-Motors-Vorsitzenden Alfred Sloan gelingt ihm ein Panorama wesentlicher Denkströmungen der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts; zugleich versteht er herauszuarbeiten, wie in dieser Epoche die Fundamente gelegt wurden für wichtige sozioökonomische Gegenwartsphänomene. Das gilt etwa für das managergeführte Großunternehmen, dessen wachsende Rolle als ökonomischer Akteur und als soziale, die Beziehungen der Individuen nach innen und außen strukturierende Organisation Drucker in seinem Buch „The future of industrial man" von 1942 erstmals systematisch analysierte – zu einer Zeit, als „die meisten Manager sich gar nicht im Klaren darüber (waren), dass sie Führungsaufgaben ausführten".

Dass Drucker als kaum 20-Jähriger bereits Redakteur der angesehenen Zeitung „Der Österreichische Volkswirt" wurde, verdankt sich nicht nur dem glücklichen Umstand seiner Herkunft aus dem Milieu der Wiener Salons – es hat auch zu tun mit der tragischen Tatsache, dass nach dem 1. Weltkrieg die Generation der 30-Jährigen praktisch ausgelöscht war. Solche gleichsam aus Zufällen resultierenden Gelegenheiten spielen eine Hauptrolle in Druckers Leben, und dem entspricht eine Haltung, weniger durch Aktion als durch passive, distanzierte Beobachtung zu Erkenntnissen zu gelangen. Diese konsequente Zuschauerperspektive bringt nicht nur hübsche literarische Skizzen eigensinniger k.u.k.-Beamter, exzentrischer holländischer Bankiers oder kauziger US-Firmenlenker hervor – sie ist auch ein Schlüssel zu Druckers wissenschaftlichem Werk, denn sie ermöglicht ressentimentlose, gleichwohl prinzipiell skeptische Offenheit für vielfältigste intellektuelle Impulse, die Drucker zu oft unorthodoxen Sichtweisen auf die Interdependenz von Arbeit, Technik und Organisation kombiniert.

Die Betonung liegt hier auf Interdependenz – im Kontrast zu einem gedanklichen Determinismus, der Drucker schon früh verdächtig vorkam. Was im europäischen Faschismus seinen furchtbarsten Ausdruck fand, erschien ihm, der nach Lehrtätigkeiten in Frankfurt und Köln 1933 erst nach Großbritannien und bald darauf in die USA emigriert war, nur als die Spitze einer weit verbreiteten Neigung zu einem Totalitätsdenken, das seinerzeit auch die westlichen Demokratien erfasst hätte. Dem setzt Drucker eine entschiedene Skepsis gegenüber jeglicher Gesamtkonzeption einer „besten" Ordnung entgegen, und sei sie noch so gut gemeint; all diesen Ansätzen könnte man mit Drucker vorwerfen, den Faktor Mensch zu ignorieren. Wie man hingegen – aus der Perspektive des Managements von Organisationen – Steuerungserfolge erzielt, indem man eben nicht stur Ziele dekretiert und Sanktionen verhängt, sondern mit Anreizen individuelle Eigeninteressen stimuliert, illustriert Drucker mit diversen Anekdoten wie jener über Kaufhauskönig Henry Bernheim, der mit einem ausgeklügelten Belohnungssystem dem Angestelltendiebstahl Einhalt gebot. Solche Sensibilität für das mikroskopische Detail, das auf Verallgemeinerbares verweist, pflegt Drucker auch seit seinen eigenen frühen empirischen Untersuchungen des Innenlebens von Großunternehmen – dass er seine 1946 in dem Werk „Concept of the Corporation" mündende Studie über General Motors überhaupt durchführen konnte, verdankt sich übrigens wieder einem Zufall; zuvor waren alle seine Versuche gescheitert, Unternehmensführer für sein Projekt zu gewinnen: Entweder sie witterten Subversion, oder sie verstanden überhaupt nicht, was er von ihnen wollte – Management existierte nicht nur nicht als Problem, sondern nicht einmal als Begriff.

All dies schildert Drucker mit beachtlichem erzählerischen Talent, freilich auch mit einem Hang zur Überhöhung der Porträtierten – es wimmelt hier nur so von Superlativen. Auch fordern die detailgesättigten Schilderungen menschlichen Eigensinns dem Leser oft Geduld ab, bis er das Allgemeine darin erkennt – aber dies ist auch ein programmatischer Zug, denn: „Unsere Abhängigkeit … von einem Übermaß an Abstraktion, ohne jemals den festen Boden konkreter Sachverhalte zu berühren, hat inzwischen ein kaum noch tragbares Ausmaß erreicht." Das Interesse für das je individuell Besondere wird so zu einer der höchsten Tugenden gerade des Organisationsforschers, und wirklich: Wie Drucker hier ein auch mentalitätsgeschichtlich aufschlussreiches Epochengemälde erschafft, das lohnt die Lektüre für jeden an Sozial- und Wirtschaftshistorie Interessierten. Doch Vorsicht: Verweist die in der deutschen Ausgabe öfter anzutreffende Formulierung „vor gut vierzig Jahren" wirklich auf die 60er? Mitnichten! Daran zu denken, dass das Original von 1979 stammt, überlässt der Verlag dem Leser ganz allein. (Olaf Stefanus, Quelle: getAbstract)
 

Inhalt
Vorwort zur Neuausgabe
Prolog: Die Geburt eines Außenseiters
BERICHT AUS ATLANTIS
Großmutter und das 20. Jahrhundert
Hemme und Genia
Fräulein Elsa und Fräulein Sophie
Sigmund Freud: Mythos und Realität
Graf Traun-Trauneck und Maria Müller
ALS JUNGER MANN IN EINER ALTEN WELT
Die Polanyi-Familie
Der Mann, der Kissinger erfand
Das Ungeheur und das Lamm
Noel Brailsford - das Gewissen der alten Linken
Ernest Freebergs Welt
Die Bankiers und die Kurtisane
AUFBRUCH IN DIE NEUE WELT
Henry Luce und sein Zeitschriftenimperium
Die Propheten der technologischen Revolution:
Buckminster Fuller und Marshall McLuhan
Mister General Motors: Alfred Sloan (Auszug)
Der Nachsommer der Unschuld
 
Autor
Peter F. Drucker wurde 1909 in Wien geboren. In der Zeit der Weimarer Republik kam er nach Deutschland. In den USA wurde er Unternehmensberater und Wirtschaftsautor. Peter. F. Drucker gilt als weltweit bedeutendster Managementguru sowie als Begründer der modernen Managementforschung überhaupt. Heute lebt und arbeitet er in Claremont, Kalifornien.