Jedes
Jahr kommen über eine Million neue Buchtitel auf den Weltmarkt! Nicht nur
Star-Kritiker Reich-Ranicki stöhnt: "Wer soll das alles lesen?" Der
mexikanische Dichter und Essayist
Gabriel Zaid hat dieser Masse nun ein sehr kluges
Büchlein hinzugefügt, in der es genau um dieses Thema geht.
Er öffnet uns die Augen, das diese Schwemme weniger nachfrage- als vielmehr
angebotsgetrieben ist. Nicht umsonst gilt zum Beispiel "Publish or Perish",
veröffentliche oder stirb, seit jeher als Leitprinzip in akademischen
Kreisen.
Besonders deutlich wird dies auch im Bereich der Lyrik: So erhalten
Gedichtzeitschriften zwar wäschekörbeweise Gedichte zugesandt, jedoch bleibt
die Anzahl der Abonnenten stets sehr übersichtlich. Einige Magazine sind
nunmehr dazu übergegangen nur noch Gedichte von Abonnenten zu
veröffentlichen. Zaid stellt pointiert fest: "Selbst die Verfasser von Lyrik
kaufen Lyrik nur unter vorgehaltener Pistole."
Weiter interessante Themen betreffen die Frage, ob die neuen Medien, Bücher
verdrängen (Sie befinden sich hier immerhin auf einem Buch-Portel im
Internet), warum Sokrates Büchern tief misstraute (er selbst hat ja
auch nie eines geschrieben) und die Beziehung von Buch und Kommerz.
Alles in allem ein liebevoll geschriebenes Büchlein, welches über die
demonstrierte Liebe zum Lesen einen tiefen Humanismus vermittelt - wenn Sie
Bücher lieben, kaufen Sie am besten gleich zwei: eines zum Selberlesen und
eines zum Verschenken.